Weben im Wald - wie es gemacht wird:

Im Rahmen einer Unterrichtseinheit zum Thema Wald habe ich für eine dritte Klasse einen "Waldtag" vorbereitet und durchgeführt. Der Höhepunkt des Tages war das "Weben mit Naturmaterial". Ich hatte am Abend vorher zwischen Bäumen und in Astgabelungen Schnüre gespannt. Aufgabe der Kinder war es, diese Schnüre als "Kettfäden" zu verwenden und ein möglichst dichtes Gewebe mit vorgefundenem Material herzustellen. Dafür durften keine Äste abgerissen werden - daran haben sich natürlich nicht alle gehalten - aber Gräser und Blätter konnten verwendet werden.


Wir suchten erstmals nach vier Wochen und danach in regelmäßigen Abständen die Natur-Webrahmen wieder auf. Es war für die Schülerinnen und Schüler sehr spannend, zu beobachten, wie sich ihre Werke veränderten. Ich weiß von einigen Kindern, dass sie ihre Eltern zu den Objekten im Wald führten und begeistert erklärten, wie diese entstanden waren.

 

Weben im Wald - warum es gemacht wird

Wenn man in einer natürlichen Umgebung unerwartet auf etwas "künstliches" trifft, erzeugt das Überraschung und ein Gefühl von Fremdheit. Mit dieser Überraschung arbeiten Land Art Künstler, wie beispielsweise Andy Goldsworthy und Robert Smithson. Auch für Grundschüler ist diese Irritation wahrnehmbar. Sie ist ein Ausgangspunkt um sich mit Land Art zu beschäftigen. Da die Werke von Goldsworthy, Smithson usw. nur zweidimensional - auf Fotos - zu betrachten sind, ist der Blick auf ein selbstgemachtes Stück Land Art eine Grundlage für die Beschäftigung mit dieser Kunstrichtung.

Die Zeit ist ein entscheideneder Mitwirkender bei den gewebten Wänden, die gleich nach ihrer Fertigstellung den Blick auf ein Stück Wald versprerren. Die Werke der Schüler verändern sich schnell, dabei spielt das Wetter eine große Rolle, aber auch der ort, an dem die Gewebe entstanden sind. Je näher sie an einem stark genutzen Waldweg liegen, desto stärker sind sie auch dem Eingriff von Menschen ausgesetzt. Es lohnt sich, zu beobachten, wie sich die Gewebe verändern und darüber zu spekulieren, was Ursache der Veränderung war. Es kommen Fragen auf wie "Warum zerstören manche Leute Dinge, die andere gemacht haben?" oder "Wie lange wird es dauern, bis von unseren Werken gar nichts mehr zu sehen ist?" Hier ist Raum für Spekulationen: Hätte das Gewebe länger gehalten, wenn statt Schnur Draht oder Plastikbänder verwendet worden wären?" Selbstverständlich sollte man auch die Frage nach der Dauerhaftigkeit verschiedener von Menschen geschaffenen Gegenstände stellen. Welche Gegenstände werden uns überdauern, welche werden schon zu unseren Lebzeiten "verschwinden"?